Allianz Real Estate Experten-Interviews

Interview mit Christoph Wildgruber, Head of Sustainability bei Allianz Real Estate

2008 begann Christoph Wildgruber seine Arbeit als Head of Organisation/IT bei der Allianz Real Estate, wo er seit 2010 die Nachhaltigkeitsinitiative managt. Er ist Bauingenieur und hat internationales Immobilienmanagement studiert. Dadurch ist er in der Lage, die technische Seite von Nachhaltigkeit im Immobiliensektor mit der kommerziellen zu verbinden.


Allianz Real Estate | München, 04.05.2011


Christoph Wildgruber, Head of Sustainability, Allianz Real Estate

Christoph Wildgruber, Head of Sustainability bei Allianz Real Estate

Herr Wildgruber, warum hat die Allianz Real Estate ein Nachhaltigkeitsprogramm auf den Weg gebracht?

Christoph Wildgruber: Es gab vor allem zwei Gründe, weshalb wir uns mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandergesetzt haben. Im Bereich Umweltschutz hat sich die Allianz Group verpflichtet, bis 2012 eine wesentliche Reduzierung der CO2-Emissionen zu erreichen – schließlich ist der Bausektor für einen riesigen Anteil des weltweiten Ausstoßes verantwortlich. Dazu kommt, dass es im Immobiliensektor einen wachsenden Trend zur Nachhaltigkeit gibt.

Nachhaltigkeit und der Übergang hin zu einer CO2-armen Wirtschaft sind nicht nur irgendein Trend, sondern werden gewaltige Auswirkungen auf die Immobilienbranche als solche haben. Wir sehen da zwei wichtige Aspekte: Zum einen ist da der Markt, auf dem Mieter eine steigende Nachfrage nach nachhaltigen, das heißt energieeffizienten Flächen entwickeln, und zum anderen sind da natürlich die sich verändernden gesetzlichen Vorgaben in all unseren Investitionsregionen. Insbesondere in Frankreich haben wir es heute schon mit einem recht fortschrittlichen Regelwerk zu tun, das sich aus einem neuen Umweltgesetz speist.

Was bedeutet das für Ihr Geschäft?

Wildgruber: Was den Erwerb angeht, haben wir Nachhaltigkeitskriterien wie die Ökobilanz in unseren Investitionsprozess integriert. Das bedeutet nicht, dass wir nur "grüne" Immobilien kaufen, sondern vielmehr, dass wir genau wissen, was es bedeutet, ein neu erworbenes Gebäude unseren Standards anzupassen.

Für das Management von mehr als 1.200 Immobilien, die der Allianz weltweit gehören, ist eine erhöhte Transparenz was Nachhaltigkeitskriterien und Performance angeht, absolut Pflicht. Diese Transparenz ist der Grundstein für die Integration einer nachhaltigen Strategie in die Geschäftspläne für eine jede Immobilie.

Wie erhalten Sie detaillierte Informationen zur Ökobilanz Ihrer Objekte?

Wildgruber: Im Zuge einer Studie zur Energieeffizienz im Immobiliensektor und den damit verbundenen CO2-Emissionen, die wir 2010 abgeschlossen haben, mussten wir erfahren, wie schwierig es ist, Umweltinformationen zu Gebäuden zu sammeln. In Europa sind die meisten relevanten Informationen, wie individueller Energieverbrauch, nur auf Mieterebene verfügbar. Das müssen wir berücksichtigen, wenn wir versuchen, die erforderlichen Informationen zusammenzutragen.

Neben diesen praktischen Aktivitäten und Lehren aus unserem eigenen Portfolio erweitern wir ständig unser Wissen und tauschen unsere Erfahrungen im Bereich Nachhaltigkeit mit anderen Akteuren am Markt aus. Wir streben mit diesen Unternehmen und Branchenverbänden Partnerschaften an, um Einfluss auf die Formulierung neuer Standards zu nehmen.

Ein gutes Beispiel dieser Art Kooperation ist die Green Rating Alliance, die die Performance einzelner Gebäude hinsichtlich Energieverbrauch, CO2-Emission, Wassermanagement, Abfallentsorgung und Verkehrsanbindung beurteilt. Mit diesen Informationen sind unsere Immobilienmanager in der Lage, spezielle Maßnahmenpläne für jedes einzelne Objekt aufzustellen. Dann können wir entscheiden, ob eine Änderung zum Beispiel am Beleuchtungssystem oder an der Heizungs-, Lüftungs- oder Klimatechnik etwas bringt oder nicht.

Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen so genannten schnellen Erfolgen und langfristigen Investitionen. Das erstere bezeichnet Verbesserungen mit geringen Investitionen, wie Änderungen beim Betrieb des Gebäudes oder Partnerschaften mit den Mietern und Diskussionen, wie sie das Gebäude nutzen. Das letztere bezeichnet Maßnahmen mit höheren Investitionskosten, wie bauliche Veränderungen am Gebäude, Veränderungen an der Fassade zum Beispiel oder der Verglasung.

Außerdem haben wir in der Allianz Real Estate damit begonnen, entsprechend allgemeinen Nachhaltigkeitskennzahlen Daten für jedes Objekt zu sammeln, sodass wir eine Möglichkeit für einen standardisierten Vergleich und eine standardisierte Auswertung haben.

Was treibt Sie persönlich an?

Wildgruber: Der Umstand, dass ich die Möglichkeit habe, die Art und Weise, wie wir unser Immobiliengeschäft führen, zu verändern oder anzupassen und neue Perspektiven im Umweltbereich zu integrieren – das motiviert mich sehr.

Da unser globales Immobilienportfolio sich schon heute auf mehr als 18,8 Milliarden Euro beläuft, habe ich die Möglichkeit, positive Auswirkungen zu sehen, die bei einem kleineren Maßstab und einem nicht-internationalen Aktivitätsfeld nicht sichtbar wären. Da Immobilien für 40 Prozent des Energiekonsums in der EU verantwortlich sind, können wir gemeinsam mit unseren Mietern einen gewaltigen Schritt tun, um die Energieeffizienz zu erhöhen und CO2 Emissionen abzubauen.


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