Auch bei Immobilien drohen Preisblasen
Die Immobilienbranche wird von der Euro-Krise nicht verschont bleiben, doch gerade jetzt wird gern in diese Anlageklasse als Absicherung investiert. Internationales Geld fließt in die "sicheren" Märkte, wie Deutschland. Es drohen Preisblasen.
Allianz Real Estate | München, 25.10.2011
Herr Piani, Sie waren gerade auf der Expo Real – der größten europäischen Immobilienmesse. Was können Sie zum Stand der Branche sagen? Ist der Aufschwung gestoppt?
Olivier Piani: Im Gegenteil. Die Immobilie als Anlageprodukt ist stark gefragt. Die Investmentmärkte florieren, zum Beispiel in Deutschland, das als vermeintlicher "sicherer Hafen" für internationales Geld gesehen wird. Als Konsequenz daraus steigen die Preise für sogenannte Core Assets, also Immobilien in besten Lagen der Metropolen, die langfristig an Mieter mit hoher Bonität vermietet sind. Dabei wird jedoch die Situation bei den Nutzern, zum Beispiel bei Büro- und Einzelhandelsmietern zu wenig berücksichtigt. Sie sind höheren makroökonomischen Risiken ausgesetzt und agieren deshalb häufig zurückhaltend, unter anderem mit Blick auf Anmietungen und Mietpreise. Unter sorgfältiger Berücksichtigung dieser veränderten Rahmenbedingungen und den daraus resultierenden Risiken setzen wir die Expansionsstrategie der Allianz bei Immobilieninvestitionen fort.

Wie wird sich die Euro-Krise auf die Immobilienwirtschaft auswirken?
OP: Die Euro-Krise wirkt gesamtwirtschaftlich. Die Immobilienbranche wird davon nicht verschont bleiben. Problematisch dabei ist, dass sich gesamtwirtschaftliche Veränderungen erst mit erheblichen Zeitverzögerungen bei Immobilieninvestments bemerkbar machen. Das bedeutet, dass die Branche möglicherweise heute Fehler macht, die erst übermorgen sichtbar werden.
Für die Immobilienbranche könnte eine Krise auch durch eine Krise der Nutzer, also der Mieter ausgelöst werden. Deshalb müssen wir an dieser Stelle besonders aufmerksam sein und die Entwicklungen beobachten. Aber auch die "sicheren Häfen" der Welt sind mittlerweile sehr überschaubar geworden. Deutsche Immobilien werden derzeit als solche betrachtet. Deshalb wird es zu Preisblasen kommen, an deren Entstehung die Allianz sicher nicht mitwirken wird.
Die südeuropäischen Schuldenstaaten kämpfen mit der Sanierung ihrer Haushalte. Was bedeutet das für die Immobilienwirtschaft?
OP: Das Wort "Schuldenstaaten" ist plakativ und indifferent. Es reflektiert nicht die Unterschiedlichkeit der Probleme. Die derzeit hoch volatile Situation kann neben den allseits diskutierten Risiken auch große Chancen bieten. Das Flächenangebot im Neubau geht zum Beispiel zurück, Kaufpreise sinken und machen Investments wieder interessanter. Allerdings wird es noch einige Jahre andauern, bis die regionalen Immobilienmärkte und -unternehmen wieder in ruhigeres Fahrwasser kommen.
Den entstehenden Chancen werden nur durch den "Risikoappetit" der Investoren Grenzen gesetzt. Naturgemäß rangiert die Allianz als auf Langfristigkeit und Sicherheit bedachter Investor eher am unteren Ende der Skala des Risikoappetits. Dennoch beobachten wir diese Märkte sehr genau und werden die Chancen nutzen, die uns die aktuelle Volatilität auf mittlere und lange Sicht bietet.
Wo sind die künftigen Schwerpunkte Ihrer Investitionen?
OP: Innerhalb der vergangenen 3 Jahre haben wir uns mit der Allianz Real Estate Group neu aufgestellt und sind in der Lage, das Immobilienportfolio weltweit zu diversifizieren, nach Ländern und Standorten, nach Nutzungsarten, aber auch nach direkten und indirekten Investments. Unser Ziel ist, das Immobilienvolumen der Allianz deutlich zu erhöhen, jedoch in vernünftigen Rahmenbedingungen und nicht um jedem Preis. Im Zweifel können wir uns auch mit Neuinvestitionen eine Zeit lang zurückhalten, wenn dies die Marktverhältnisse erforderlich machen. Unser Vorteil ist jedoch unsere internationale Ausrichtung. Im Rahmen unserer Diversifikation werden wir immer in der Lage sein, unterschiedlichste Marktentwicklungen und Chancen zu nutzen und weltweit attraktive und sichere Investitionen zu realisieren.

